Bissingen erntet Energie und schützt dabei das Klima

    12/04/2020.

    Was ist aus den vielen tausend Pappel-Stecklingen geworden, die im Jahr 2012 u. a. von Bürgern der Marktgemeinde auf ertragsschwachen Ackerflächen in der Nähe des Stationenweges von Bissingen nach Buggenhofen „gesteckt“ wurden? Auf drei Flächen mit insgesamt etwa 1,6 Hektar (entspricht etwa 2 Fußballfeldern) hat sich genau das entwickelt, was man damals erhofft hatte – nämlich Energie!
    Bei einem Ortstermin trafen sich die damaligen Initiatoren Anton Schmid, Hermann Berchtenbreiter und Förster Hermann Rupp gemeinsam mit Bürgermeister Stephan Herreiner, Irene Winter und Forstamtsleiter Marc Koch vom AELF in Wertingen (s. Foto). Nach 8 Jahren sind aus den fingerdicken Pappel-Stecklingen nun etwa 10 Meter hohe Bäume geworden, die kurz über dem Boden einen Durchmesser von 15-20 cm aufweisen.
    Nun steht die Ernte an!

    Mit einem „Spezialzwicker“, den die Marktgemeinde auch zur Heckenpflege nutzt, werden die Pappeln nun geerntet und zum trocknen auf Haufen gelegt. Mit einer riesigen Rosenschere werden die Bäumchen nicht abgesägt, sondern durchgeschnitten und gesammelt. Das Spezialgerät kann an den vorhandenen Bagger angebaut werden, damit erfolgt die Ernte kostengünstig und in Eigenregie der Marktgemeinde.
    Die Stöcke der Pappeln verbleiben im Boden. Angeregt durch den Schnitt, entwickeln sich, wie beim Obstbaumschnitt, neue Triebe und bilden wieder neues Holz. Da die Stöcke bereits gut verwurzelt sind, steigt der Ertrag erwartungsgemäß nochmals an. Nach drei bis vier Ernten geht die Vitalität jedoch stark zurück, so dass es besser ist neue Stecklinge zu verwenden.  
    Nach der Ernte, die vom Bauhof Zug um Zug durchgeführt wird, bleiben die Bäume zum Trocknen etwa ein halbes Jahr liegen und werden anschließend gehäckselt. Dabei entstehen so genannte Hackschnitzel, die in der Heizanlage des Marktes als Brennstoff genutzt werden Damit werden die Schule, die Sporthalle und die Kindertageseinrichtung beheizt. Lokale Energie mit kurzen Transportwegen – das ist Klimaschutz pur! Ein Hektar Energiewald (Hackschnitzel – luftgetrocknet) kann pro Jahr durch sein Wachstum die Energie von etwa 5000 Litern Heizöl ansammeln. Nach etwa 8 Jahren macht das nun rechnerisch rund 40.000 Liter Heizöl, die damit insgesamt eingespart werden können.
    Alle Beteiligten waren sich einig, dass der Energiewald-Bissingen schon 2012 und erst recht heutzutage ein Musterbeispiel lokaler Energieversorgung ist und deutlich macht, wie Klimaschutz vor Ort realisiert werden kann.  
     

    Text: Marc Koch, Bereichsleiter Forsten am AELF Wertingen
    Bild: Irene Winter

     


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